Amerika ist überall

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Ende der 50er erhielten meine Freunde und ich für das Autowaschen des Opel Rekord unseres Nachbarn jeder ein Fläschchen Coca Cola. Lustvoll ließen wir den klebrigen Saft nach getaner Arbeit die Kehlen herunterlaufen. Ich kannte bis dahin nur Wasser, Milch und Godesberger Mineralwasser. So fesselten mich von Anbeginn die lustvoll geschwungene Flaschenform von CC, der Schriftzug und der sinnlich klebrige Geschmack. Da änderten auch Fanta, Bluna und Sinalco nichts daran. Auch Pepsi Cola, Afri Cola und die vielen anderen Plagiate konnten uns nicht abwerben: Alles wurde an CC gemessen und wurde von uns im Vergleich dazu gnadenlos abgestraft. Auch der begnadete Werbeaktivist Charles Wilp schaffte es mit seiner Sexi-Mini-Flower-Power-Werbung nicht, uns umzustimmen und Coca Cola abzuschwören. Viel später verhielt es sich ähnlich, aber natürlich anders, mit McDonald´s. So verwundert es nicht, dass CC und MD in vielen meiner Kunstwerke als Zitat, Symbolismus und Leitfossil unserer Zeit erscheinen.


Zu den Walt Disney Produktionen, die meine Kindheit begleiteten, habe ich ein ähnlich enges Verhältnis. Es war ein gefährlicher Kampf um jedes Micky Maus Heft. In der Schule und zu Hause galten Comics als etwas sehr Verwerfliches, als ein die deutsche Sprache vernichtendes Medium. Ich las die Hefte, die es einmal im Monat für 50 Pfennig am Kiosk an der Straßenbahnhaltestelle Wurzer Straße zu kaufen gab, heimlich im Keller und versteckte sie auch dort.

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